Reaktionen nach den Anschlägen in Jakarta

von Marc am 19. Juli 2009

Das Ritz Carlton kurz nach den Anschlägen. (Foto aus einem nahen Bürogebäude)

Das Ritz Carlton kurz nach den Anschlägen. (Foto aus einem nahen Bürogebäude)

Nach den Bombenanschlägen, die gegen 8 Uhr Ortszeit auf im Zentrum Jakartas gelegenen Hotels JW Marriott und Ritz Carlton, folgten die ersten Reaktionen des Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono (SBY), Terrorismus-Experten und der indonesischen Bevölkerung.

Yudhoyono löste eine Kontroverse aus, indem er kurz nach den Anschlägen äußerte, daß der indonesische Sicherheitsdienst vor der Wahl Hinweise gefunden hätte, daß im Falle seiner Wiederwahl ein Putsch geplant sei und zog damit eine Verbindung zu den Terroranschlägen.

Er präsentierte hierzu auch eine Fotografie, die einige Terroristen zeigt, die bei ihrer Ausbildung das Bild Yudhoynos als Zielscheibe benutzten.

Seine Kontrahenten im Wahlkampf reagierten sehr verstimmt und warfen Yudhoyono vor, die Bombenanschläge politisch für sich nutzen zu wollen.

Auch Experten wollten Yudhoyonos Spekulationen nicht bestätigen, vielmehr vemuteten sie die Urheber des Anschlags in einer Splittergruppe der Jemaah Islamiyah (JL) um den meist gesuchten Terroristen Indonesiens Noordin Mohammed Top.

Präsident Obama, der einen Teil seiner Kindheit in Indonesien verbacht hatte, drückte inzwischen sein tiefes Mitgefühl aus und lobte gleichzeitig die demokratischen Fortschritte Indonesiens, die sich auch in der vergangenen Wahl gezeigt hätten. Im November dieses Jahres ist ein Besuch Obamas in Indonesien geplant.

In der indonesischen Öffentlichkeit sind die Reaktionen unterschiedlich, einige reagieren kaum auf die Anschläge, allerdings ging der Besucherandrang in großen den Einkaufzentren Jakartas deutlich zurück.

Eine Besitzerin eines Restaurants in einem der größten Malls in Jakarta, gab an, dass die Besucherzahl ca. um 50% zurückgegangen sei.

Twitter-Aufruf gegen Terrorismus in Indonesien

Sehr deutlich zeigten sich die Reaktionen auf den Anschlag im Internet . Binnen Stunden nach den Anschlägen wurde das Thema ein “Trending Topic” unter #indonesiaunite auf der Interplattform Twitter.

Außerdem wurde eine Website unter gleichem Namen http://www.indonesiaunite.com/, sowie eine Facebook-Gruppe ins Leben gerufen.

Ein indonesischer Rap-Musiker veröffentlichte spontan ein Musikvideo auf Youtube. Der Song Kami Tidak Takut (Wir haben keine Angst) fand rasch eine weite Verbreitung unter Internetnutzern in Indonesien.

Allerdings äußerten einige Benutzer auch, dass diese Welle des öffentlichen Aufschreis nicht lange anhalten dürfte, andere hingegen gaben an, dass der Anschlag den Zusammenhalt Indonesiens mehr gefördert hätte als 30 Jahre Propaganda.

Die politischen Folgen sind noch schwer abzuschätzen. Falls jedoch durch Yudhoynos umstrittene Äußerungen nicht zu viel politisches Porzellan zerschlagen wurde, wird es vielleicht im künfitgen Parlament weniger Spielraum für islamische Parteien geben und die säkulare Fraktion gestärkt werden.

In der Vergangenheit wurde oft kritisiert, dass Indonesien zu lasch gegen islamistische Betrebungen vorgehe, so konnten Islamisten in der Vergangenheit zum Beispiel gewaltsam und oft ungehindert gegen Nachtclubs und Einrichtungen anderer Religionen vorgehen.

Eventuell sieht man diese weiche Linie gegen den Islamismus inzwischen als gescheitert an, somit dürften die Fraktion der Islamisten in Indonesien einem rauerem Klima entgegesehen.

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