Ulamas gegen Facebook und Handys

von Marc am 26. Mai 2009

Facebook bald gesperrt?

Facebook ist das in Indonesien meistbenutze Online-Netzwerk. Die Benutzerzahlen stiegen im Jahr 2008 um 645 Prozent und liegen nun bei ca. 831.000 Nutzern.

Das Potential für ein weiteres Wachstum ist groß, da bisher nur 0.5% der Gesamtbevölkerung (235 Mio.) eine Internetverbindung besitzen, diese aber für immer mehr Menschen verfügbar und finanzierbar wird.

Dieser ungehinderte und ungefilterte Austausch von Informationen scheint einigen Ulama nun ein Dorn im Auge zu sein.

Eine Versammlung von indonesischen Imamen forderten jüngst eine stärkere Regulierung von Social Networks, wie Facebook, die einem Verbot gleichkommen könnte.

Die Nutzung dieser Netzwerke könne zu unmoralischem Verhalten und ausserehelichem Sexualverkehr führen.

Eine erlassene Fatwa wäre zwar rechtlich nicht bindend, jedoch müsste darauf jeder gläubige Muslim die Benutzung der Netzwerke als Sünde betrachten.

Die islamischen Kritiker teilen sich allerdings in zwei Bereiche. Während die einen Regulierungen einfordern, wollen andere eine komplette Sperrung erreichen.

Einige Mitglieder der NU legten kürzlich noch nach und bezeichneten sogar Handys als schädlich, mit der gleichen Argumentation.

Sie kündigten zudem an, dass, wenn innerhalb eines Monats keine Schritte unternommen werden, würden sie von der indonesischen Regierung eine komplette Sperrung eingefordern.

Glücklicherweise hätte eine deartige Forderung keine große Aussicht auf Erfolg, denn die Widerstände, nicht nur aus dem säkularem Lager, sind groß.

Allerdings ist zu befürchten, daß solche radikalisierten Sichtweisen zu einer Verschärfung der Spaltung in der indonesischen Gesellschaft führen wird.

Die jüngsten Vorstöße, wie das sogenannte “Anti-Porno-Gesetz”, daß die faktische Beschränkung der kulturellen Betätigung von nicht-islamischen Minderheiten, wie zum Beispiel den Papua einschloss, ist ein Beispiel.

Auch die Kritik durch die islamistische PKS, einem wahrscheinlichen Koalitionspartner Susilo Bambang Yudhoyonos (SBY) an Boediono, dem Running Mate an der Seite SBYs im kommenden Präsidentschaftswahlkampf, der sich grob gesagt “nicht islamisch genug” verhalte, zeigen dies leider deutlich.

Die Staatsdoktrin “bhinneka tunggal ika” (Einheit in der Vielfalt) ist aus der Sicht vieler Indonesier mehr und mehr gefährdet. Viele, darunter auch gläubige Muslime, befürchten eine Ausbreitung von wahabitischen Sichtweisen in Indonesien.

Quelle: The Jakarta Post

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