Das indonesische Bildungssystem

von admin am 11. April 2007

Autor: M. Tohirin Hasan
Übersetzung ins Deutsche: Marc und Vania Köberlein

Bildung ist für die Entwicklung eines Schwellenlandes wie Indonesien besonders wichtig, um es von der Rückständigkeit zu befreien.
Durch eine gute Ausbildung wird es den kommenden Generationen Indonesiens ermöglicht am Entwicklungsprozess Ihres Landes aktiv teilzunehmen.

Seit 1945 ist Indonesien bereits vom Kolonialismus befreit und sich bewusst, welche wichtige Rolle die Bildung spielen muss. Das indonesische Ausbildungssystem, daß verglichen mit dem westlicher und anderer asiatischer Staaten noch rückständig ist, wird langsam aber sicher verbessert.

Stufen des Indonesischen Bildungssystems:

  1. die Vorschule, Spielgruppe für Kinder von 1 bis 4 Jahren.
  2. Der Kindergarten (TK = taman kanak kanak) 4 bis 6 Jahre
  3. staatliche Grundschule (SD = Sekolah Dasar ) oder muslmische Grundschule (MI = Madrasah Ibtidaiyah) 6 bis 12 Jahre
  4. Staatliche Mittelschule (SMP = Sekolah Menengah Pertama ) und muslimische Mittelschule (MTS = Madrasah Tsanawiyah) 12 bis 15 Jahre
  5. Oberschule (SMA = Sekolah Menengah Atas) und muslimische Oberschule (MA = Madrasah Aliyah) 15 bis 18 Jahre
  6. Hochschule, Universität (ST = Sekolah Tinggi oder Universitas)
    Mögliche Hochschulabschlüsse sind: D1, D2, D3, D4 sowie S1 (Bachelor), S2 (Magister) oder S3 (Doktor).

Zu D1, D2, D3, D4: Eine Absonderlichkeit des indonesischen Bildungssystems ist die Möglichkeit sein Studium bereits nach 1, 2, 3 oder 4 Jahren abzuschliessen. Dieser Abschluss wird als Diploma (1, 2, 3, 4) bezeichnet. Allerdings ist der Wert eines solchen Abschlusses auf dem Arbeitsmarkt nahe null, da schon Studenten mit einem S1 (Bachelor)- Abschluss enorme Schwierigkeiten haben werden, eine angemessene Stelle zu finden.

Indonesische Studenten

Verschiedene gesetzlich geförderte Arten der Ausbildung

Neben der formellen Ausbildung, (Grundschule, Mittelschule.. etc.) gibt es noch zwei weitere Arten der Ausbildung, die durch das indonesische Bildungsgesetz gefördert werden. Diese sind sind die nicht formelle Ausbildung (Kindergarten, Spielgruppen, Früherziehung etc.) und die informelle Ausbildung (private Kurse, Lerngruppen, Handarbeit, Viehzucht, Kunst etc.).

Schwachstellen des indonesischen Bildungssystems

Die Indonesische Regierung hat in den letzten Jahren viel in das Bildungssystem investiert und folgende Veränderungen erreicht:

  1. Indonesien besass früher ein zentrales Ausbildungssystem, dass für alle Provinzen gleiche Standarts und Lehrpläne vorsah. Seit einiger Zeit bemüht man sich dieses zu dezentralisieren, damit die einzelnen Regionen, die Lehrpläne selbst bestimmen können und so häufig auf das, was in der Region benötigt wird abstimmen. Die Regierung selbst überwacht lediglich noch die Qualität der Ausbildung.
  2. Das Curriculum wurde verbessert, der damalige Unterricht befasste sich grösstenteils mit theoretischer Lehre. Heute setzt das Bildungssystem mehr auf Praxis und orientiert sich an den Fähigkeiten der Lernenden. Schüler und Lehrer sind aufgefordert selbst aktiv zu werden, um die Unterrichtsqualität zu verbessern.
  3. Lehrkräfte erhalten eine bessere Unterstützung bzw. höheren Lohn. Allerdings wurden auch die Anforderungen an die Lehrkräfte erhöht. Vor kurzer Zeit noch, konnte jeder, auch ohne Lehrbefähigungsnachweis, unterrichten. Das Ergebnis war natürlich eine teilweise sehr schlechte Qulität des Unterrichts. Erst seit ca. 2003 wird ein Lehrbefähigungsnachweis verlangt um unterrichten zu dürfen.

Trotz der Verbesserungen gibt es im Bildungssystem natürlich noch viele Schwachstellen, im folgenden Text sind einige aufgeführt.

Schwachstellen in der Grundschule

Die Grundschule ist noch sehr problematisch, da viele Kinder zwischen 7 und 15 Jahren, noch keine Schule besucht haben. Ebenfalls ist die Zahl der jungen Schulabbrecher sehr hoch. Zudem ist jährlich 500.000 Grundschülern, aufgrund Ihrer mangelhaften Bildung, nicht möglich in die Mittelschule zu wechseln.

Die Qualität des Lehrmaterials und die Befähigung der Lehrer ist oftmals noch in einem sehr schlechten Zustand, da viele Grundschulen chronisch unterfinanziert sind.

Diese Probleme entstanden natürlich auch deshalb, weil erst im Jahr 1994 die allgemeine Schulpflicht (für 9 jahre) eingeführt wurde. Dieses Programm gilt für ganz Indonesien (von Sabang - Provinz Aceh) bis Merauke (Papua).

Die Regierung wollte dieses Programm bereits im Jahr 2003 abgeschlossen haben, allerdings gab viele Probleme, die dies verhindert haben.

Die neuen Ziele des Kultusministeriums für die Grundausbildung bis zum Jahre 2008 sind:

  1. 95 % aller Schüler, vor allem Mädchen und Kinder ärmerer Famlien soll ermöglicht werden, die Grundschulausbildung erfolgreich abzuschliessen.
  2. Jungen und Mädchen sollten gleiche Chancen erhalten, sowohl in der Grundschule, als auch an wieterführenden Schulen.
  3. Die Ausbildung der Lehrer und die Ausstattung der Schulen soll erheblich verbessert werden.

Ob diese Ziele erreicht werden können, ist natürlich stark von der Finanzlage des Landes abhängig.

Probleme in der Hochschulausbildung

Die Hochschulausbildung spielt für den Entwicklungsprozess in Indonesien eine entscheidenen Rolle. Zum Einen, um das Land zu modernisieren aber auch um das Humankapital Indonesiens aufzustocken.

Die Zahl der Hochschulbewerber steigt in jedem Jahr und somit auch die Zahl der Absolventen. Am Ende des Jahres 2005 gab an den 80 staatlichen und 1700 Privaten Universitäten ca. 2,9 Millionen Absolventen. Dies sind 12% der Gesamtbevölkerung. Bis zum Jahr 2020 wird vermutet, daß diese Zahl auf 25 % bzw. 6,2 Millionen Absolventen steigt (Fadjar, 2005).

Das Problem ist auch hier die Ausbildungsqualität. Viele Absolventen mit Bachelorabschluss haben grosse Schwierigkeiten einen Arbeitsplatz zu finden. Dies liegt zum Teil an der fehlenden Abstimmung zwischen der Industrie und dem Schulsystem. Besonders bei der internationalen Arbeitssuche haben indonesische Hochschulabsolventen oft weniger Chancen, da die Qualität der Universitäten nur schwerlich mit dem globalen Wettbewerb mithalten kann.

Quellen:

  • Fadjar, A. Malik. 2005. Holistika Pemikiran Pendidikan. Jakarta: Rajawali Press.
    Departemen Pendidikan Nasional. 2006. Program Gerakan Nasional Percepatan Penuntasan Wajib Belajar Sembilan tahun. Jakarta: Depdiknas
  • UU Republik Indonesia No.20 Tahun 2003 Tentang Sistem Pendidikan Nasional. Surabaya: Penerbit Karina
  • UU Republik Indonesia No. 14 Tahun 2005 Tentang Guru dan Dosen. Jakarta: Sinar Grafika

Autor:

  • M. Tohirin Hasan adalah Dosen Luar Biasa Jurusan Teknologi Pendidikan Universitas Negeri Malang; Direktur Ekskutif Center for Education and Social Studies (CESS), Malang
  • Alamat: Jl. Candi 2A No. 383 Karangbesuki, Sukun, Malang, Jawa Timur, Indonesia
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{ 2 comments… lesen oder selbst Kommentieren }

Katja 3. Juni 2012 um 00:40

Wie kommt es eigentlich, dass die Indonesier Deutsch in der Schule lernen?

Marc 14. Juni 2012 um 23:10

Einige Deutsche Firmen sind zum Teil in Indonesien engagiert und auch das Goethe Institut förderte lange Schüler aus Indonesien. Was noch hinzu kommt ist das Beispiel eines bis heute geachteten Politikers B. J. Habibie. Er studierte in Aachen Luft- und Raumfahrttechnik und gilt vielen indonesischen Studenten als Vorbild - sehr viele studieren auch in Aachen Ingenieurwissenschaften u. Ä. Quasi eine Nerd-Schwemme aus Indonesien.

Vor: Die Geschichte des indonesischen Fussballbundes