Java Jazz Festival 2008 - Tag 1

von Marc am 8. März 2008

Unser erster Bericht vom Java Jazz Festival 2008. Wir besuchten am ersten Tag die Auftritte der Jeff Lorber Band, Sizhukong, das Sol Project und Barry Likumahuwa, den vielleicht amtierenden Bass-König Indonesiens.

Alles in Allem war es ein wenig anstregender als gedacht, daher kommt der Artikel auch etwas verspätet. Wir waren etwas früher zum im Convention Center Jakartas gelegenen Festivalgelände aufgebrochen, denn wir wollten unsere Eintrittskarten verkaufen.

Unsere wichtig-wichtig Kärtchen

Da wir Presseausweise erhalten haben waren die teuer bezahlten Eintrittskarten nicht mehr nötig, da wir mit unserer “wichtig-wichtig”-Pressekarte freien Zugang zu allen Konzerten (inkl. Special Show) haben.

Wir sind die Karten nur mit Mühe an andere Kartenhändler losgeworden, da wir sie wohl bei der massenhaften Konkurrenz wohl nie selbst losgeworden wären. Zumindest haben wir deutlich mehr als die Hälfte des Einkaufspreis dafür bekommen.

Ein wenig ärgerlich ist es schon, aber ich hatte auch kaum damit gerechnet, dass wir wirklich anerkannt werden aber letztendlich sollte wir wohl zufrieden sein. Wir können nicht nur die Special Shows sehen, zu denen wir sonst keinen Zutritt gehabt hätten und sind zudem noch überall schneller vor Ort, weil wir uns nirgends anstellen müssen.

Am ersten Tag waren wir recht überfordert von der Vielzahl an Möglichkeiten. 19 Bühnen und durchgehend 4-5 parallele Konzerte machen einem die Entscheidung nicht gerade leicht und wir sind anfangs blind hin- hergesprungen.

Aber natürlich kann man den Veranstaltern kaum die Vielzahl der Möglichkeiten vorwerfen, trotzdem ist es nicht leicht das Gefühl etwas zu verpassen zu unterdrücken und sich auch mal die Zeit zu nehmen auch mal einen Auftritt von Beginn bis zum Ende anzusehen.

Als wir das Gelände gegen 13.00 Uhr betraten fiel uns zunächst der Versuch der Mülltrennung ins Auge. Für Indonesien ein mutiger Versuch, der aber zum Scheitern verurteilt war.

Gita Teladan Marching Band

Das Festival begann mit dem Auftritt der Gita Teladan Marching Band, welche die Besucher mit enormer Lautstärke vor dem Haupteingang zu den Veranstaltungshallen begrüsste.

Im Gebäude wurde klar, dass ein Festival wie dieses nicht ohne Sponsoren funktioniert. Allerorten war das Dji Sam Soe (eine Zigarettenmarke) Logo zu sehen. Eng bekleidete Damen mit hohen Lederstiefeln versuchten den ständig Besuchern Zigaretten anzudrehen und Werbebefragungen durchzurühren.

Auch waren Dji Sam Soe Merchandising-Stände im Dutzend über das Gelände verteilt. Auch andere Werbepartner waren mehrfach mit Ständen vertreten. Ohne Musiker sah das Ganze fast aus wie eine Handelsmesse.

Als sich die Hallen füllten wurde klar, dass auch zahlreiche indonesische Prominenz vertreten war. Fernsehmoderatoren, Schauspielerinnen und Sängerin waren regelmässig in den Massen auszumachen.

Die erste Band, die wir uns ansahen spielte direkt im Eingangsbereich, dem Lobby-Stage und trug den Namen Kirana Big Band. Gespielt wurden einige Swing und Bossanova-Stücke. Unterstützt wurde die Band von 3 verschiedenen Vokalisten.

Jeff Lorber

Jeff Lorber

Am späteren Nachmittag sahen wir eins der ersten internationalen Highlights des Festivals in Gestalt der Jeff Lorber Band, es war auch die erste Band, die wir uns bis zum Ende anschauten.

Jeff Lorber ist mit Sicherheit als Urgestein der internationalen Jazz-Szene zu bezeichnen. Er begann bereits mit 4 Jahren Piano zu spielen und war im Teenager-Alter Mitglied in verschiedenen R&B-Gruppen. Später besuchte er das Berklee College of Music, wo er seine Liebe zum Jazz entdeckte.

Seine erste Jazz Band war die Jeff Lorber Fusion (1977-1981), die sich an den Vorbildern Herbie Hancock und Weather Report orientierte. Lorber spielte hier Piano und verschiedenste Synthesizer.

Danach startete er eine Solo Karriere und spielte in zahlreichen Projekten und Formationen und nahm einige Studio-Alben mit zahlreichen Gaststars auf.

Auf dem Java Jazz Festival wurde seine Band durch den Saxophonisten Eric Darius unterstützt, der hier eine beeindruckende Probe seines Könnens präsentieren sollte.

Es war auch das das erste Konzert mit größerem Besucherandrang und das Publikum schien durchweg begeistert.

Fotos waren leider nur während der ersten 3 Stücke möglich, bei denen man sich Presse-Bereich vor der Bühne aufhalten, außerdem waren wir nicht von Anfang an dort und verpassten das erste Stück. Angesichts der Zeitnot sind aber noch einige gute Fotos gelungen.

Eric Darius

Als Gast am Saxophon war Eric Darius mit der Partie. Eric Darius stammt aus einer Musikerfamilie. Sein Vater spielte Bass, seine Mutter ist Sängerin und sein älterer Bruder spielt Schlagzeug und Trompete.

Er studierte am Blake High School College Musik und spielte im dortigen Blake Jazz Ensemble, war aber auch in zahlreichen Projekten aktiv.

Mit dem Blake Jazz Ensemble trat er auf Festivals in den USA und in Japan auf. Er spielte ausserdem an der Seite zahlreicher anderer namhafter Künstler, z.B. Dionne Warwick, George Benson, Chris Botti oder Richard Elliott.

Die Stücle waren nicht auf ein festes Genre festgelegt und reichten von Funk über der Jazz-Ballade “I´ve got you” bis zu Bebop-Einlagen.

Der Jeff Lorber Band gelang wohl massgeblich auch durch das Spiel von Eric Darius das Publikum einzufangen und zu begeistern.

Sizhukong (Yuwen Peng)

Sizhukong

Ein Stockwerk tiefer spielte etwas später die taiwanesische Formation Sizhukong. Die Musiker von Sizhukong stammen aus Taiwan, Belgien und Japan. Die Pianistin Yuwen Peng ist gleichzeitig die Initiatorin und Arrangeurin und lernte Ihr Handwerk am renommierten Berklee College of Music in Boston.

Das Ziel des Projekts “Sizhukong” ist nach eigenen Auskünften die alte und neue Musik aus China und Taiwan mit Jazz und ebenso die traditionellen Instrumente mit den typischen Jazz-Instrumten zu verbinden.

Ihr erstes Album “Sizhukong”, dass bei Kritikern, wie auch bei Liebhabern Anklang fand veröffentlichte die Band im März 2007.

Neben Ihr standen Tohsi Fuji (Schlagzeug), Alex Wu (Percussion, Erhu), Joyce Chen (Liquin, Ruan = kleine und große Art der Chinesische Laute), Chihping Huang (Dizi, Xiao = Chinesische Flöten) und Martijn Vanbuel (Bass) auf der Bühne.

Die gebotenen Stücke bewegten sich irgendwo zwischen World- und Jazz und orientierten sich stark an der taiwanesischen bzw. chinesischen Kultur.

Das Stück “Market” stellte die Atmosphäre eines Marktes dar, die verschiedenen typischen Geräusche eines Marktes wurde hierbei von Chihiping Huang auf verschiedenen Blasinstrumenten imitiert.

Darauf folgte “Waterfront”, ein Stück, dass sich an der chinesischen Schwarz-Weiss-Malerei orientierte und dessen Beziehung zur Natur.

“Mountain Song” war ein traditionelles Stück, dass aus der Bevölkerungsgruppe der Hakka stammt. Die bäuerliche Bevölkerungsgruppe Hakka sang Lieder wie dieses während der Teeernte. Der Gesang zu den Stücken besteht nur aus 3 Noten.

sizhukong Interview

Der darauf folgende Song “I remember Formaosa” beschreibt die Sehnsucht nach Yuwen Pengs Heimatland Taiwan, als sie in der USA damals studiert hat.

Als letztes präsentierte Sizhukong schliesslich ein traditionelles chinesisches Stück, allerdings natürlich in einer modernisierten Version.

Im Interview erfuhren wir, dass Yuwen Peng nicht das erste mal am Java Jazz Festival teilnahm sondern schon 2005 teilnahm, allerdings in einer anderen Formation.

Sie zeigte sich mit der Organisation des Festivals zufrieden und hoffte, dass Ihre Musik ebenfalls in den USA und Europa Freunde finden wird.

Sol Project

Sol Project

Als nächstes nahmen wir uns das Sol Project vor, dass eine interessante Mischung unterschiedlicher musikalischer Wurzeln versprach.

Das Sol Project vermischt Latin-Einflüsse mit traditioneller Javanischer und sundanesischer Musik. Die eingesetzten Instrumente waren traditionelle teilweise javanische Gamelan-Metallophone und Rhythmusinstrumente aus dem südamerikanischen Raum, sowie Akkordeon und Piano.

Im Interview verriet uns der Pianist Rudy, dass zunächst geplant war ein reines Latinprojekt zu gründen, da aber den Beteiligten währen der Planung auffiel, dass sich die südamerikanischen und traditionellen indonesischen Instrumente in Teilen stark ähnelten beschloss die Gruppe beide Kulturen in Ihrer Musik zu vermischen.

Die auch in verschiedenen Sprachen gesungenen Texte wurde von den 2 kolumbianischen und 2 indonesischen Mitgliedern der Gruppe getextet.

Bisher, so Rudy, war das Projekt nur in Indonesien und mit einem einzelnen Titel auch in Malaysia erfolgreich.

Weiterhin betonte Rudy die Offenheit des Sol Project für verschiedenste Stile. Die Gruppe vereine die musikalische Einflüsse aus den verschiedensten indonesischen Städten und Regionen, wie z.B. Bandung oder Kalimantan. Er erklärte, dass Musik frei sein solle und Nationalität und Kultur keine Schranken darstellen sollten.

Barry Likumahuwa

Barry Likumahuwa

Als letztes kam für uns das Barry Likumahuwa Projekt an die Reihe, dass streng genommen keine Jazz-Musik spielte, sondern sich eher an Groove und Funk orientierte. Der 24-jährige Barry Likumahuwa ist ein Naturtalent auf dem Bass und vielleicht der amtierende Bass-König Indonesiens.

Das Barry Lukumahuawa Projekt präsentierte sich mit enormer Spielfreude und einer guten Portion Humor.

Am Projekt sind sehr junge Musiker beteilitgt, darunter Barry Likumahuwa (Bass), Rayendra Sumita (Drums), Andre Dimut (E-Gitarre), Doni Justan (Keyboard), Matthew Sawyer (Lead Vocal) und der sehr junge Denis Jun (Saxophone).

Wie auch andere indonesische Musiker war Barry Likumahuwa nach dem Konzert auch nicht verschwunden (internationale Künstler verschwanden meist nach Ihrem Auftritt ins mit dem Festivalgelände verbundene luxuriöse Sultan Hotel), sondern nahm sich viel Zeit für Gespräche und Fotos mit seinen Fans. Dieser Umstand ermöglichte uns auch ein weiteres Interview.

Barry "Likumahuwa Interview

Auf unsere Frage nach seiner musikalischen Stilrichtung, antwortete Barry Likumahuawa, dass er niemals behauptet habe ein Jazzmusiker zu sein, dass er aber trotzdem stark durch Jazz geprägt worden sein.

Die gesamte Familie Likumahuawa ist in der Jazz Musik verwurzelt. Beide Elternteile sind aktive Jazzmusiker. Der Vater Benny Likumahuawa bildet junge Musiker aus und wird am morgigen Tag auch auf dem Java Jazz Festival mit der Salamander Big Band auftreten.

Er erzählte weite, dass er schon ab dem 11. Lebensjahr Bass spiele und schon immer auch an Jazz interessiert gewesen sei.

In der Zukunft wolle er sich auch am Jazz orientieren, allerdings wolle er zunächst seine eigene Stilrichtung im Jazz finden.

Als seine Vorbilder nannte er Jaco Pastorius, Marcus Miller, Miles Davis und Joan Polvay. Ebenfalls erzählte er davon, dass er Marcus Miller bereits einmal getroffen habe.

Zu unserer Frage nach der Stellung der Jazzmusik in Indonesien erklärte er, dass sich die Situation in den letzten 4 Jahren verbessert habe. Durch Jazz Festival, wie Jak Jazz, dem Java Jazz Festival und einem bereits seit 30 Jahre existierenden Programms namens “Jazz goes Campus” gäbe es mehr Nachwuchs an jungen Musikern.

Allerdings werde Jazz Indonesien immer noch als Musik für die ältere Generation angesehen, allerdings habe sich die Situation, wie er bereits erwähnt habe verbessert.

Mit dem Festival war er zufrieden, da mehr junge Leute gesehen hatte, die nicht nur zum Spass und herumhängen das Festival besuchen würden, sondern auch um die Musik zu geniessen.

Zum Abschluss fragten wir noch, ob auch Pläne für internationale Auftritte existieren, worauf er antwortete, dass sich auch internationale Auftritte erhoffe, aber zunächst noch im doch relativ großen Indonesien noch eine eine große Aufgabe zu bewältigen hätte.

Hiermit endete das Interview und auch unserer erster Tag auf dem Java Jazz Festival. Leider kommt dieser Artikel etwas verspätet, da wir, nachdem wir von 14.00-24.00 Uhr auf den Beinen waren und uns stets durch ein Gewühl von Besuchern kämpfen mussten, ziemlich am Ende unserer Kräfte waren.

Auch nun bin ich ziemlich am Ende, da wir heute vom 2. Tag zurückgekommen sind, aber irgendwann muss ich den Bericht ja mal Online bekommen.

Den zweiten Tag haben wir etwas ruhiger angehen lassen. Das Hauptziel war das Projekt von Barry´s Vater, der mit der Salamander Big-Band auf dem Festival vertreten war.


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