4. Teil - Auf Sumatra - von Jambi nach Palembang

von Marc am 21. März 2010

Nachdem wir lange Zeit in Malang verbracht hatte, wollten wir zumindest einmal auf eine größere Tour gehen und brachen (via Jakarta) nach Jambi auf (liegt auf der Insel Sumatra), um dort Freunde zu besuchen.

Leider konnte ich den Großteil der Zeit in Jambi nicht geniessen, weil ich dort mein Magen gegen das Essen revoltierte. Ich weiss nicht, ob ganz Sumatra so siffig ist - aber Jambi und Umgebung waren schon nicht allzu sauber.

Die ersten Tage hatte ich zum Glück aber noch kein Problem. Wir kamen am späten Nachmittag bei unseren Freunden an - für den nächsten Tag war ein Ausflug nach Palembang geplant.

Hilde und Dosmin vor dem Jeep, mit dem wir nach Palembang fuhren.

Hilde und Dosmin vor dem Jeep, mit dem wir nach Palembang fuhren.

Die Fahrt von Jambi nach Palembang dauert ca. 5-7 Stunden (je nach Staulage). Allzu Interessantes gab es auf der Fahrt allerdings nicht zu sehen.

Alle paar Kilometer ein neuer kleiner Ort mit einer Reihe von kleinen Geschäften und Masakan Padang (anderes Essen war nicht zu bekommen - was auf der Rückfahrt mir wohl zum Verhängnis wurde.)

Leider waren die Orte auch ziemlich zugemüllt. Der Streifen zwischen Tokos und Masakan Padang-Warungs bestand aus Schlamm und Müll.

Zu dem Zeitpunkt begann bereits mein Misstrauen gegen jegliches zubereitetes Essen auf dieser Strecke und ich verzichtete auch darauf etwas anderes zu probieren als Soto (Suppe).

Fussballspiel von Armeeangehörigen auf der Fahrt von Jambi nach Palembang.

Fussballspiel von Armeeangehörigen auf der Fahrt von Jambi nach Palembang.

Die Straße zwischen Jambi und Palembang

Die Straße zwischen Jambi und Palembang

Als wir in Palembang ankamen wurde es bereits dunkel.

Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten (welches unsere Freunde unbedingt für uns bezahlen wollten - Danke nochmals an Hilde und Dosmin!), fuhren wir nur kurz zum Essen und betrachteten die berühmte Brücke von Palembang bei Nacht.

Die Ampera Brücke, über den die Stadt Palembang teilenden Musi-Fluss

Die Ampera Brücke, über den die Stadt Palembang teilenden Musi-Fluss

Die Bauarbeiten an der (heute) Ampera genannten Brücke, begannen im April 1962. Im wesentlichen war der Bau der Brücke eine Wiedergutmachungsleistung der ehemaligen japanischen Besatzungsmacht.

Zunächst erhielt die Brücke den Namen “Bung Karno Bridge”, als allerdings Sukarnos Stern zu sinken begann, erhielt die Brücke ihre bis heute gebräuchlichen Namen.

Eine weitere Besonderheit der Ampera-Brücke ist, dass sie die einzige Hebebrücke Indonesiens ist, allerdings funktioniert der Mechanismus schon einige Zeit nicht mehr.

Am nächsten Morgen machten wir zunächst eine kleine Bootstour zu einer Insel in der Mitte des Musi-Flusses, auf der ein chinesischer Tempel errichtet wurde.

Aufbruch zur Fahrt aus dem Musi-Fluss

Aufbruch zur Fahrt aus dem Musi-Fluss

Der chinesische Tempel in der Mitte des Musi-Flusses

Der chinesische Tempel in der Mitte des Musi-Flusses

Die Legende, die sich um den diesen Tempel rankt lautet ungefähr so:

Zwischen einem chinesischen Prinzen und einer Prinzessin war eine Heirat geplant. Die nicht unerhebliche große Mitgift sollte von China aus, per Schiff nach Palembang transportiert werden.

Da die Gewässer zu dieser Zeit durch Piraten sehr unsicher waren, überlegte sich der angehende Ehemann eine List.

Er versteckte die wertvollen Geschenke am Boden von Töpfen und liess diese mit Reis auffüllen.

Die Töpfe gelangten sicher nach Palembang, allerdings war die Familie der Prinzessin enttäuscht, da diese statt Reis, wertvolle Geschenke erwartet hatte und versenkte die gesamte Fracht im Fluss.

Erst zu spät klärte sich das Missverständnis und endete mit dem Selbstmord der Prinzessin, die sich ebenfalls in die Fluten stürzte.

Nach dem kurzen Tempelabstecher unterfuhren wir nochmals die Ampera-Brücke und fuhren noch eine klein Strecke bevor wir wieder an Land gingen.

Die für Palembang typischen Schiffe auf dem Musi Fluss

Die für Palembang typischen Schiffe auf dem Musi Fluss

Nochmals die am Tag zuvor bei Nacht betrachtete Ampera Brücke

Nochmals die am Tag zuvor bei Nacht betrachtete Ampera Brücke

Nochmals ein Blick auf Boote, kurz vor dem Ende unserer Bootsfahrt.

Nochmals ein Blick auf Boote, kurz vor dem Ende unserer Bootsfahrt.

Wir besuchten dann das Museum “Sultan Badaruddin II” (vorletzter Herrscher des Srivijaya-Reiches, allerdings eigentlich schon nicht mehr Angehöriger der ursprünglichen Dynastie). Das Museum zeigt einen kleinen Teil der Geschichte des Reiches Srivijaya und der Stadt Palembang.

Das Sultan Badaruddin II Museum in Palembang

Das Sultan Badaruddin II Museum in Palembang

So oder Ähnliche sah ein Zimmer einer Prinzessin aus

So oder Ähnliche sah ein Zimmer einer Prinzessin aus

Die Nachbildung des ehemaligen Thrones

Die Nachbildung des ehemaligen Thrones

Wer mehr über diese Geschichte erfahren möchte, kann auf der Hauptseite des Indonesien Portals nachlesen. Schon vor 2007 habe ich hierzu etwas geschrieben.

zu finden unter:
Das Königreich Srivijaya

Gegen Abend fuhren wir zurück nach Jambi, nachdem wir kurz noch ein lokales Gericht, namens “Pempek” probiert hatten. Ich probierte nichts, weil es meinem Magen bereits hier etwas seltsam ging, doch mein “Sakit Perut” (Magenschmerzen, Durchfall etc.)-Problem, sollte erst später richtig beginnen.

Pempek, das lokale Gericht mit indonesienweiter Berühmtheit.

Pempek, das lokale Gericht mit indonesienweiter Berühmtheit.

Palembang ist für Pempek berühmt. Das Gericht soll durch die Chinesischen Einwanderern nach Palembang gelangt sein. Im wesentlichen ist Pempek Fischpaste, die mit Tapiokamehl vermischt wird. Die Mischung wird anschliessend gerollt oder in Kugelform gebracht und in heissem Wasser gekocht.

Zuvor benutzten die Chinesen Schweinefleisch, dass aber natürlich bei der muslimischen Bevölkerung keinen Anklang fand, nachdem man statt Schweinefleisch Fisch verwendete, trat Pempek seinen Siegeszug als lokales Gericht und in ganz Indonesien berühmtes Gericht an.

Ich hätte allerdings trotz der noch leichten Magenverstimmung Pempek essen sollen, den später, auf der Heimfahrt nach Jambi wurde es schwierig noch etwas zu finden, dem ich vertrauen konnte.

Auf der Strecke waren fast ausschließlich Masakan-Padang-Läden zu finden, in denen zwar eigentlich leckeres Essen serviert wird, dass aber 1. kalt ist und 2. gegen Abend schon den ganzen Tag in der Sonne gestanden hat.

Durch meine Paranoia, die schon durch eine verstimmten Magen gegen Anfang meiner Indonesien-Reise verstärkt wurde, mieden wir auf meinen Wunsch, Masakan Padang-Essen, zumindest wenn es dort nicht auch warme Suppe gab - die gab es allerdings nirgends.

Wir fanden schliesslich eine Soto (Suppen)-Warung und ich freute mich auf einen einfache Rindfleisch oder Hühnersuppe.

Allerdings sah die Suppe schon recht seltsam aus. Das Fleisch war wohl aus Haltbarkeitsgründen, gekocht, gebraten und frittiert worden und ähnelte schwarzer Holzkohle.

Die Oberfläche der Suppe schwamm in einem seltsam-reflektierendem Ölfilm. Durch meinen Hunger getrieben probierte ich das Ganze trotzdem. Der Geschmack war auch in Ordnung, allerdings merkte ich schon nach kurzer Zeit, daß ich später wohl Probleme bekommen würde und liess den größten Teil stehen.

Es war allerdings schon zu spät. Schon während der letzten Stunde der Fahrt litt ich sichtlich unter der letzten Mahlzeit. Als ich in Jambi angekommen aus dem Wagen stieg, muss ich wohl kalkweiss gewesen sein.

Eigentlich hatte ich geplant für die Familie in Jambi Spaghetti zu kochen, da Hilde, die in Deutschland aufgewachsen war, europäisches Essen vermisste.

Auch Freundinnen von Hilde freuten sich bereits auf meine Kochkunst. Ungefähr 20 Personen erwarten, daß ich sie bekoche und wollten aushelfen und von mir herumgescheucht werden.

Der Plan musste allerdings leider ins Wasser fallen, weil ich nicht fähig lange aufrecht in der Küche zu stehen, ohne dass mir schwindelig wurde oder ich zum Klo rennen musste. Nochmals ein großes SORRY an Hilde und ihre Freunde.

Den Rest der Zeit in Jambi verbrachte ich damit, meinen verstimmten Magen zu kurieren und zum Abflug Richtung Jakarta war ich zum Glück wieder soweit auf dem Damm, daß ich mir keine Sorgen machen musste, den Flug nicht heil zu überstehen.

Im 5. Teil folgt der Besuch von Jakartas Altstadt und einen Abstecher nach Bogor.

P.S.: Danke an Matthias Tauchert für die kleinen Korrekturen zu Pempek und Ampera

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{ 2 comments… lesen oder selbst Kommentieren }

tranto 15. August 2010 um 13:46

„Die Fahrt von Jambi nach Palembang dauert ca. 5-7 Stunden (je nach Staulage). Allzu Interessantes gab es auf der Fahrt allerdings nicht zu sehen.“

Das wundert mich gar nicht! - Ganze Urwälder sind abgeholzt worden oder den Flammen zum Opfer gefallen. Früher ist diese Strecke von herrlichen Urwäldern gesäumt gewesen. Reisende berichteten von Sumatratigern und anderen Urwaldtieren. Wenn man heutzutage Indonesien bereist, sieht man dergleichen nicht mehr. Stattdessen bietet es einem einen traurigen Anblick, große Enttäuschung und ein schweres Herz!

Ein paar Hintergrundsinformationen zur dieser Brücke Ampera:

Anfang1960 fällt den Japanern plötzlich ein, uns eine Brücke und dazu noch eine Düngefabrik, Pusri, als Wiedergutmachungsleistung zu bauen - ohne Druck von seiten der indonesischen Regierung ! Wenn man bedenkt,daß der Japaner sich noch bis heute weigert, seinen Krieg in Asian als Verbrechen einzugestehen, hätte man eigentlich dieses Angebot mit Skepsis entgegennehmen sollen.
Natürlich hatten wir uns darüber sehr gefreut, daß wir endlich eine moderne Brücke bekommen. Es gab zwar Merkwürdigkeiten mit dieser Wiedergutmachungsleistung und dem Versagen der Hebebrücke, aber die Freude überwog und ließ uns das Merkwürdige schnell vergessen.
Rückblickend, 30 Jahre später, stellte sich heraus, daß diese netten „Geschenke“von seiten Japans ein Startschuß war, um eine erbarmungslose Vernichtungsschlacht betr. Sumatras Urwälder einzuleiten. Diese Brücke war ein wichtiger Teil für die Infrastruktur, um die Hölzer schneller nach Japan zu transportieren.
Die erwähnte Hebebrücke funktionierte kaum ein halbes Jahr. Da sie keine Beeinträchtigung für die Schiffahrt war,war die kaputte Heberücke für die Japaner nicht mehr ineressant,und sie kümmerten sie nicht um die Instandhaltung! Auch hier zeigte sich, - der Hafen liegt ja im Unterlauf des Musi-Flusses!- Die defekte Hebebrücke stellt kein Hindernis für die Schiffe dar - !
Ein Jahr später, nach dem Brückenbau, wurde die Stadt Palembang durch die Feuer im Urwald fast ein ganzes Jahr über von Smock umhüllt, genau wie man es zur Zeit in Moskow sieht. Die Sonne erschien nur als leichte rote Scheibe. Dieser Vorgang wiederholte sich von Jahr zu Jahr. Nur damals wussten wir überhaupt nicht was los war. Wir rätselten nur über den merkwürdigen Nebel, der auch noch nach Rauch roch? Den Bewohnern auf Sumatra wurde eine Aufkärung vorenthalten!
Zweite Kuriosität ist der Dünger: Damals produzierten wir nur den Dünger, die Säcke dazu mussten wir im Ausland kaufen, d. h. importieren!

Ampera heißt Amanat Penderitaan Rakyat, auf deutsch: Auftrag des leidenden Volkes. Es klingt wie ein Hohn.

Alexander 5. April 2011 um 17:49

Das Foto von der Ampera Brücke ist einfach klasse ;)

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