Purwokerto, Besuch bei Ahmad Tohari und Masakan Padang

von Marc am 4. März 2008

Diesmal berichten wir über unseren Aufenthalt in Purwokerto und unseren Besuch bei dem Schriftsteller Ahmad Tohari, Autor des Buches “Ronggeng Dukuh Paruk”.

In der deutschen Ausgabe wurde das Buch aufgeteilt und erschien nicht als Gesamtausgabe. Die einzelnen Bücher heissen: “Die Tänzerin von Dukuh Paruk” und “Komet in der Dämmerung”. Der dritte Teil “Jentera Bianglala” (im indonesischen Original) wurde leider noch nicht übersetzt.

Nachdem wir am Abend von unseren Gastgebern, einem türkischen Ehepaar, dass als Dozent an einer indonesisch-türkischen Schule in Semarang beschäftigt ist, zum Essen eingeladen und vor dem Schlafengehen noch mit türkischem Tee verköstigt wurden, nutzten wir die wenigen Stunden Schlaf, die uns blieben, denn schon um 7:00 Uhr morgens sollte unsere Reise weitergehen.

Mit etwas Verspätung fuhren wir mit einem Travel (wir leben inzwischen halb in Travels und bleiben meist nur kanpp einen Tag an einem Ort) von Semarang aus in Richtung Purwokerto. Die Fahrt dauerte ca. 4 Stunden.

In Purwokerto, bzw. einem kleinen Ort in der Nähe von Purwokerto, würden wir Ahmad Tohari treffen, einen der bekanntesten Schriftsteller Indonesiens, dessen Bücher auch International bekannt und ins chinesische, japanische, holländische, englische und deutsche übersetzt wurden.

Ahmad Tohari wurde am 13. Juni 1948 in der Region Banyumas geboren, wo er auch heute noch in einem kleinen Dorf lebt. Er begann verschiedene Studiengänge, angefangen Wirtschaft, über Politik- und Sozialwissenschaften bis zur Medizin, jedoch beendete er keinen dieser Studiengänge.

Meine Frau Vania lernte ihn bereits im Jahr 2000 während Ihrer Schulzeit kennen, als Sie ein Litaraturprogramm ihrer Oberschule moderierte und hielt seitdem mehr oder weniger regelm&auml:ssig den Kontakt aufrecht und bekam schon mehrere Bücher geschenkt.

Landschaft um Purwokerto

Wir kamen am frühen Nachmittag in Purwokerto an, wo uns der Fahrer von Ahmad Tohari weiter zu dessen Haus transportierte.

Die Landschaft um Purwokerto ist sehr sehenswert, wir hielten mehrmals an, um den Flussverlauf zu bestaunen und einige Fotos zu machen.

Dort angekommen wurden wir herzlich begrüsst (obwohl die letzte Begegnung von Vania mit Ihm im Jahr 2003 schon sehr lange her ist) und mit frisch-gepflückten Rambutan (Obstsorte) und der lokalen Tempe-Vesion (Tempe Mendoan, sehr knusprig und lecker) , die wohl jeder Journalist bekommt, der das Haus besucht, versorgt.

Wir sind allerdings weit entfernt davon professionelle Journalisten zu sein und waren reichlich unvorbereitet. Das ganze Gespräch war auch weniger ein Interview, denn wir waren als Gäste eingeladen um mit Ahmad Tohari und dessen Familie ein wenig zusammen zu sitzen und Tempe und Fisch zu essen.

Enige Fragen haben wir dennoch gestellt. Zum Glück half uns auch Ahmad Tohari etwas aus und gab einige wichtige Informationen über sich auch unaufgefordert Preis.

Zum Beispiel verriet er uns, dass er zwar vor einiger Zeit angekündigt hatte sich zur Ruhe zu setzen aber dennoch ein neues Buch veröffentlichen will, dass den javanischen Dialekt seiner Heimatregion Banyumas behandelt. Die Vorbereitung war ziemlich lange, weil er fand, dass das Projekt schwer zu realisieren ist.

Allerdings sei dies ein kleineres Projekt und werde wohl kaum die Auflagen seiner früheren Werke erreichen und mehr als sein Hobby anzusehen, auch sei sein Vorhaben auch deutliche schwerer, als er zunächst gedacht hatte.

Er erzählte außerdem von seinem Besuch in Deutschland zum Verkaufsstart seines ins Deutsche übersetzten Buches, seinem Besuch bei einer bayerischen Brauerei, seinem Ausflug zum Kölner Dom und dem Treffen mit der Leiterin des Horlemann-Verlags in Bonn.

Sehr stolz sprach er von seinen 5 Kindern, denen er durch die Einnahmen aus den Verkaufserlösen seiner Bücher ein Studium im Ausland ermöglicht hatte, welches diese mit Erfolg absolvierten, bzw. noch absolvieren.

Ahmad Tohari erwähnte, dass er auf seinen Reisen schon an zahllosen Plätzen geschlafen hatte, vom sehr karg ausgestatteten Massenschlafsaal am Markt von Bandung, bis zu einem hochklassigen Hotel am Du Pont-Center in New York.

Ihm sei allerdings gleichgültig, wo er geschlafen hatte, wichtig waren ihm vor allem Gesundheit und Freude. Wenn diese Vorraussetzungen erfüllt seien, könne er überall gut schlafen.

Wir sprachen über das Ubud Writers Festival 2007, an dem er teilgenommen hatte und ausgezeichnet worden war und fragten nach der Bedeutung des Ubud Writers Festivals und der Bedeutung der balinesischen Kultur für ganz Indonesien.

Während er das Ubud Writers Festival als Erfolg schilderte, da viele Besucher, darunter auch internationale teilnahmen, äusserte er sich eher enttäuscht über Veranstaltungen ausserhalb des Festivals.

So seien zu einer Veranstaltung an der Universität Udayana, an dem sich internationale Autoren beteiligten nur ca. 10 Besucher erschienen.

Ahmad Tohari und Vania

Im Bezug auf die Bedeutung der balinesischen Kultur und Ihrer Bedeutung für ganz Indonesien, erklärte er, daß der kulturelle Einfluß zurückgegangen sei. Dies sei allerdings nicht allein auf die balinesische Kultur beschränkt, insgesamt gingen lokale kulturelle Einflüsse zurück, um einer Mainstream-Kultur Platz zu machen. Er war selbstverständlich nicht allzu glücklich über diese Entwicklung.

Wahrscheinlich ist dies auch ein Grund warum er sich in ein kleines Dorf weitab vom alltäglichen Tumult abgesetzt hat.

Natürlich stellten wir auch einige Fragen zu seinem bekanntesten Werk, der Trilogie “Ronggeng Dukuh Paruk”, bzw. “Die Tänzerin von Dukuh Paruk”.

Die Geschichte beschreibt das Leben einer zur Tänzerin und Prostituierten erzogenen Frau und das eines jungen Mannes, die beide aus einem sehr kleinen Dorf stammen. Das Buch hat in Teilen autobiographische Züge. Als die Schwester meiner Frau Ivana eine klassische und schon oft gestellte Frage ansprach wurde dies deutlich.

Sie fragte, ob das Dorf Dukuh Paruk in Wirklichkeit existiert. Ahmad Tohari antwortete, dass dass das Dorf tatsächlich existiert habe und nur 5 Km von seinem Heimatort entfernt gewesen sei.

Die Situation des Dorfes war in den 60er Jahren so, wie es im Buch beschrieben wurde. Ihm war wichtig die Härte des damaligen Lebens zu beschreiben.

Die Tänzerin von Dukuh Paruk

“Die Tänzerin von Dukuh Paruk” wird oft auch als ein Gleichnis beschrieben, bei der das dörfliche Leben, die dörflichen Traditionen und die Unschuld der einfachen Lebensweise von der femininen Seite verkörpert werden, während der Nationalismus, der Aufbruch in die Moderne und die damit einhergehenden Konflikte durch die männliche Seite symbolisiert sind.

Auf die Frage, wie die Zensur unter Suharto seine Arbeit beeinflusst hatte erklärte er, dass sein Verlag ein komplettes Kapitel in “Jentera Bianglala” streichen musste, da es als zu kritisch bewertet wurde.

Tatsächlich erschien das Buch ohne das Kapitel, jedoch wurde Ahmad Tohari 1986 dennoch 5 Tage lang verhört, da ein Spitzel das Suharto System über das geschriebene aber nicht veröffentlichte Kapitel und damit Ahmad Toharis kritische Einstellung informiert hatte.

Auch bei seiner Tätigkeit für verschiedene Zeitschriften, wie zum Beispiel das indonesische Magazin “Tempo” war Zensur Alltag. Meist jedoch eine Zensur im vorauseilendem Gehorsam, da ein Verlag sehr stark von Geldgebern abhängig war.

Zum Einen konnte ein Verbot einer Zeitschrift zum Bankrott führen aber auch der Entzug der Finanzmittel hätte zum gleichen Ergebnis geführt.

Familie Tohari und wir

Ahmad Tohari war einer der wenigen Autoren die öffentlich Stellung zu den Kommunistenverfolgungen und der nachfolgenden Geschichtsfälschung bezogen.

Die heutige Situation in Indonesien sah er ebenfalls eher pessimistisch. Er erklärte, dass seiner Ansicht nach zwar unter Habibie und Wahid Reformen eingeleitet worden waren und die Pressefreiheit gestärkt wurden aber schon mit der Megawati-Regierung diese Freiheiten schon wieder beschränkt wurden.

Seine Bewertung der aktuellen Regierung von SBY war ebenfalls negativ. Seiner Meinung nach, sei die Pressefreiheit bereits wieder stark eingeschränkt, da die Politik und mächtige Wirtschaftsverbände Hand in Hand arbeiten würden, um die Presse zu kontrollieren um jegliche Veränderungen, die nicht im Sinne von den eher kleinen Interessengruppen sind abzuwürgen.

Im Rest des Gespräches stellten wir keine konkreten Fragen mehr, allerdings erfuhren wir noch eine interessante Kleinigkeit aus der frühen indonesischen Geschichte.

Als meine Frau erwähnte, dass ihr Urgroßvater ein chinesischer Einwanderer und Opiumhändler war, erzählte er, dass die erste Staatskarosse Sukarnos durch den Verkauf von beschlagnahmten Opiums finanziert worden war. Eine Opiumfabrik befand sich übrigends in der heutigen indonesischen Universität Salemba in Jakarta.

Leider konnten wir nicht in Toharis Haus übernachten, da seine Kinder zu Besuch waren. Am frühen Abend brachen wir auf und verbrachten die Nacht in einem Hotel in Purwokerto.

Ahamd Tohari war so freundlich die Hotelbuchung und einen Travel für unsere Weiterreise nach zu organisieren, sodass wir uns darum nicht zu kümmern brauchten.

Widmung mit leicht falschem Namen aber… sama-sama

Auch wurden wir vor der Weiterreise noch ausgiebig bekocht, verliessen das Haus mit reichlich gefüllten Mägen und einem geschenkten Buch mit einer Widmung Ahmad Toharis. Das geschenkte Buch heisst “Orang Orang Proyek” und handelt vom Bau einer Brücke in einer kleinern Stadt und die Einflü durch Korruption und Politik auf das Bauprojekt. Allerdings ist mein name etwas falsch geschrieben, da er Marc mit “c” etwas missverstand, aber.. nunja “sama-sama”.

Danach lernten wir Purwokerto und die Langsamkeit Purwokertos kennen. Die Menschen in Zentraljava und wohl vor allem in Purwokerto verrichten jeden Arbeitsschritt etwas langsamer als jene in Malang.

In einem Warung in Purwokerto

Während man in einem Warung (Garküche am Strassenrand) in Malang auf Nachfrage einen Preis schon vor Beendigung der Frage genannt bekommt, wird in Purwokerto in alles Ruhe zum Taschenrechner gegriffen oder erstmal ca. 1 Minute alles im Kopf durchgerechnet um dann eine eine grobe Schätzung zu erhalten.

Auf eine einfache Bestellung von Sate-Spiessen warteten wir ca. 15-20 Minuten und ab und zu (ca. 3 Mal) fragte der Verkäufer, wie viele Spiesse oder wie viel Reis wir bestellen wollten, obwohl wir unsere Bestellung schon am Anfang erwähnt haben.

Schnell war im Warung nur eine Ratte die während unserer Wartezeit über den Tisch huschte, was nicht grad meinen Apettit steigerte.

Als im Hotel in einem Veranstaltungsraum ein Banner für eine Veranstaltung des lokalen Wirtschaftsministeriums aufgehängt werden sollte, verging ca. 1 Stunde, dann wurden wir vom Travel abgeholt, die Arbeit war bis zu dem Zeitpunkt scheinbar aber noch nicht vollendet.

Purwokerto hat sich bei uns nun als ein Synonym für “langsam” durchgesetzt. Allerdings sind die Menschen in Purwokerto dafür um einiges höflicher als in Malang.

Essen in einem Masakan Padang

Auf unserer Weiterreise wurden wir von Masakan Padang-Restaurants verfolgt, von denen es in jeder Stadt dutzende gibt. Die Betreiber stammen zumeist aus Westsumatra (dort liegt auch die Stadt Padang). In diesen Restaurants kann man sich seinen Teller an einem Buffet mit verschiednen indonesischen Speisen füllen lassen.

Die Häufung dieser Restaurants brachte einige indonesiche Witze hervor einer davon lautet:

Frage: Warum dürfen die Bewohner von Westsumatra nicht zum Mond fliegen?
Antwort: Damit Sie dort keinen Warung Padang eröffnen.

Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg nach Surakarta (oder auch Solo) um dort ein wenig Batik einzukaufen aber auch um den Kraton (Sultanspalast) zu besuchen.

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