Von Malang nach Semarang

von Marc am 1. März 2008

Wie im letzten Teil des Reiseberichts geschildert waren nach unserer Ankunft und einem 1-tägigen Aufenthalt in Jakarta weiter nach Malang gereist um dort unsere Familie zu treffen.

Berichtet wird vom Kinofilm “The Conductors”, unserer zweiten Heimat Malang und unseren ersten Tag in Semarang inkl. Besuch des Zheng He gewidmeten Tempels Sam Poo Kong.

Malang liegt in Ostjava und ist eine Mittelgroße Stadt mit ca. 800.000 Einwohnern und war zeitweise die Heimatstadt der sagenumwobenen Spionin Mata Hari (ind. = Sonne).

Hochzeitszeremonie

Ihr Heimathaus existiert aber soweit ich weiss nicht mehr. Es lag in Tumpang, einem Außenbezirk von Malang. Matahari ist außerdem der Name einer landesweiten Kette eines Bekleidungs-Discounters.

Unsere ersten Tage nutzten wir zur Entspannung und zur Völlerei, allerdings musste ich schon am 2. Tag doch wieder etwas früher raus, da wir zu einer Hochzeitszeremonie in unserem Kampung (= Ortsteil) eingeladen waren.

Leider habe ich nur einen Teil der Hochzeit miterlebt, denn nachmittags hatte es in Strömen geregnet und weder ich, sonst irgendwer der Familie hatte allzugroße bei diesem Wetter vor die Tür zu gehen.

Thom Yam Thalay

Abends waren wir mit der kompletten Familie (inkl. Omi und Hausmädchen ) in meinem Lieblingsrestaurant “Batavia”. Wenn jemand einmal nach Malang kommen sollte, kann ihm/ihr nur empfehlen dort einmal Tom Yam Thalay bzw. Tom Yam Seafood zu probieren. Ist zwar kein indonesisches Gericht aber verdammt lecker dort.

Später gab es noch leckere Ente samt einer Riesenauswahl verschiedener Sambal (= Gewürzpasten).

Im Kampung

Der vorerst letzte Tag in Malang führte uns ins Kino. Auf dem Weg zum Kino habe ich noch ein paar Bilder vom Kampung geschossen. Wenn man sich hier nicht auskennt, kann man sich in dem Gewirr von kleinen Gassen sicherlich leicht verlaufen.

Ein prächtiger Ausblick über das Kampung bietet sich von einer Brücke, die über den Fluss Brantas führt. Leider kann man dort kaum ungestört ein Foto machen, ohne dass man für den stetigen Motorradverkehr Platz machen muss.

Sagenumwobene Brücke über den Brantas

Heute war der Himmel leider noch etwas bewölkt. Bei freiem Himmel sieht man am Horizont eine Bergkette, welche der Aussicht den letzten Touch verleiht. Werde versuchen hier noch ein besseres Bild hinzubekommen, wenn denn die Witterung mitspielt.

Um die Brücke ranken sich viele Gerüchte und Geschichten. So soll eine Tänzerin unter der Brücke von Steinen erschlagen worden sein. Seither spukt Ihr Geist unter der Brücke. Einige Anwohner berichten davon die Stimme der Tänzerin in der Nähe der Brücke gehört zu haben.

Auch die Tatsache, dass Verstorbene unter der Brücke eine zeitlang aufgebahrt werden mindert nicht gerade das Schauergeschichten-Image der Brücke.

Filmplakat von The Conductors

Im Kino wurde der von der indonesischen Filmakademie ausgezeichnete dokumentarische Film “The Conductors” gezeigt. Besonders in Malang war dieser Film sehr beliebt.

Der Grund hierfür ist, dass in “The Conductors” Yuli, der Einheizer der Fans des örtlichen Fussballvereins eine Hauptrolle spielt.

Während eines Spiels sitzt dieser auf einem erhöhten Sitz und dirigiert von dort die Fans der Mannschaft “Arema” (= Arek Malang, das Masskottchen ist ein “verrückter Löwe”). Er stimmt Gesänge und ist bemüht den Fans ständig etwas neues Interessantes, einfallsreiches oder humorvolles zu bieten, um diese bei Laune zu halten.

Neben Ihm kommen in “The Conductors” der Universitätsprofessor und Chorleiter Drs. M.G Sudibyo, Msi (Universität Indonesia - Jakarta), sowie der wohl berühmteste Dirigent Indonesiens Addie M.S. zu Wort.

Diese drei Personen repräsentieren die arme Bevölkerungsschicht (Yuli- der sehr berühmt unter seine Fans ist, aber in seinem Leben ist er nur Wasserverkäufer, der vom Haus zu Haus das Wasser bringen sollte und wenig Geld davon profitierte.), die Mittelschicht (der Universitätsprofessor) und die Oberschicht (Addie M.S.).

Was alle drei verbindet ist das Dirigieren. Dies natürlich auf verschiedenen Ebenen. Yuli dirigiert einen Fanblock, der Uniprofessor einen von Ihm gegründeten und seit 1983 existierenden Studentenchor und bisher gibt es 24 Chore von jedem Jahrgang, jeweils mit ca. 2000 Mitgliedern, und Addie M.S. ein Orchester, daß regelmässig auf weltweiten Tourneen ist.

Wie interessant! Ein Bule mit Arema-Shirt!

Ich besuchte das Kino samt Arema-Fan-T-Shirt. Zufällig sah dies Faiz, einer der Kameramänner des Films, der eigentlich schon grad das Kino (welches sich in einem Einkaufszentrum befindet) verlassen wollte.

Er war wohl so fassungslos und begeistert, dass ein Bule ein Arema-Shirt trug, dass er noch einmal zum Kino im oberen Stockwerk gelaufen kam, um ein paar Fotos von mir zu schiessen. Später musste ich für ihn vor dem Filmplakat posieren.

Profitiert haben wir hiervon , indem wir von Ihm die Handy-Nummer von Yuli bekamen. Mit etwas Glück bekommen wir vielleicht ein kurzes Interview, wenn wir nach Malang zurückkehren.

Ayam Rica Rica

Kurz danach waren wir neben dem Einkaufszentrum essen im Restaurant “Kana”, bzw. ich habe dort gegessen. Das Gericht nennt sich Ayam Rica-Rica. Wahrscheinlich ist dies im Dland wohl nur leider sehr schwer aufzutreiben, daher werd ich wohl selbst lernen müssen, wie ich es zubereitet.

Die Sauce ist süsslich-scharf mit einer deutlichen Note Zitronengras. Dazu kommt ein knuspriges Hühnchen. Zum sterben lecker das Ganze.

Am Abend sind wir per Travel nach Semarang aufgebrochen, um den ehemaligen Türkischlehrer meiner Frau zu besuchen. Eine sehr anstrengende ca. 9-stündige Fahrt über holprige, kurvige Straßen mit stetem Auf und Ab.

Diese Zeilen schreibe ich daher reichlich übermüdet, da wir bei all dem Geholper keinen Schlaf finden konnten.

Nachdem ich zumindest ein paar Stunden geschlafen hatte und wieder in einem Internet-Cafe sitze schreibe kann ich auch noch berichten, was wir in Semarang bisher erlebt haben.

Zheng He

Wir besuchten zunächst mit indonesischen Bekannten aus Semarang einen chinesischen Tempel namens “Sam Poo Kong”. Der Tempel ist dem Seefahrer Zheng He gewidmet. Im Tempel sind ausserdem die Gräber von einigen seiner Gefährten.

Zheng He war ein ber¨hmter Seefahrer und besuchte und kartogrphierte grosse Teile Südostasiens und brachte sogar afrikanische Tiere nach China.

Um da Jahr 1409 gelangte er auch nach Indnonesien, um, wie Auzeichnungen der Ming-Dynastie berichten, das Verschwinden des chinesischen Botschafters zu untersuchen.

Ausserdem trieb er als chinesischer Muslim, massgeblich die Verbreitung des Islams in Indonesien voran. Der indonesische Religionsgelehrte Hamka (1908-1981) erklärte 1961:

“The development of Islam in Indonesia and Malaya is intimately related to a Chinese Muslim, Admiral Zheng He”

Von Semarang geht unsere Fahrt weiter nach Purwokerto, der Heimatstadt des auch international bekannten indonesischen Autor Ahmad Tohari. Da meine Frau aus früheren Jahren Kontakt zu ihm hatte, sind wir von ihm eingeladen worden und werden daher die 4-stündige Fahrt in den eher kleinen Ort auf uns nehmen.

Leider habe ich vor unserer Reise nichts gewusst, dass wir Ahmad Tohari besuchen werden und bin daher recht unvorbereitet und muss mir nun in letzter Sekunde ein paar Informationsfetzen über den Mann zusammensuchen, da ich bisher nur ein Buch des Autors gelesen hatte und auch das war schon vor mehr als 2 Monaten.

Nun muss ich mich leider etwas beeilen, da wir gleich noch einen Happen essen gehen wollen und ich schon gedrägt werde aufzubrechen. Hätte gern noch ein paar Bilder mehr hochgeladen aber die Zeit läft mir davon.

Bis zu naechsten Bericht…

Marc & Vania

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{ 2 comments… lesen oder selbst Kommentieren }

Hubert und Uschi Franke 2. März 2008 um 04:30

Hallo Ihr Zwei!
Haben heute mal auf Eure Seite geschaut und finden es Super
wie Ihr den Reisebericht schreibt.Sehr interessant für uns,da wir so mal etwas mehr über Vania ihre Heimat und ihr
Land erfahren.Freuen uns schon auf auf den nächsten Bericht und wünschen Euch noch viel Erlebnisse,gutes Wetter und viel Spass auf Eurer Reise. Hubert und Uschi

Jack 6. März 2008 um 13:00

Hi ihr beiden,

liest sich sehr gut. Marc, habe dich noch nie im Streifenpulli gesehen. Dr B is im Krankenhaus. Verdacht auf Schlaganfall, allerdigs wohl Glück im Uglück. Keine Blutgerinnsel oder sonstige unmittelbaren Gefährdungsfaktoren. Euch noch einen schönen Aufenthalt.

Grüße
Jack

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