Yogyakarta & Balikpapan (Borneo)

von Marc am 15. März 2008

Heute berichten wir von unserem “Business-Aufenthalt” in Yogyakarta und dem Besuch einer Palmöplantage in Balikpapan auf Borneo

Schmuckherstellung

Nachdem wir das Jazzfestival und Jakarta hinter uns gebracht hatten flogen wir nach Yogyakarta. In Yogyakarta waren wir größtenteils damit beschäftigt Kontakte zu Herstellern von Kunsthandwerk und Silberschmuck zu knüpfen.

Ein Freund half uns dabei einen Vertreiber für Kunsthandwerk zu finden. Allerdings werden wir uns wohl mehrere Kontakte offen halten und alles von Deutschland aus per Container zu uns schicken zu lassen.

Zumindest aber kennen wir nun die Leute von denen wir etwas bestellen und konnten uns die Produktionsstätte anschauen.

beim Verantwortlichen für den Tourismus in Yogyakarta

Wir trafen außerdem den Hauptverantwortlichen für die Tourismuswirtschaft in Yogyakarta, der sich trotz einer Menge Arbeit und pausenlos klingelndem Handy Zeit für uns nahm und auch Tipps für unsere Einkaufstour hatte.

Außerdem erklärte er uns, daß für die Zukunft geplant sei, Yogyakarta als Eingangstor zu Indonesien zu vermarkten. Zu diesem Zweck wird in Kürze wohl auch der Flughafen in Yogyakarta ausgebaut. Die Kampagne konzentriert sich vor Allem auf Touristen aus Malaysia und Holland.

Von ihm bekamen wir auch den Tipp zum Einkauf von Wayangfiguren einen Hersteller im nahen Bantul zu besuchen. Der Hersteller ist über die Grenzen von Indonesien hinaus bekannt und seine Arbeiten werden in einigen Büchern über die indonesische Kultur gezeigt, die von der Oxford University Press verlegt wurden. Verschiedene Journalisten, darunter auch der WDR hatten ihm bereits einen Besuch abgestattet.

beim Wayangfiguren Hersteller in Bantul

Er selbst hat ebenfalls ein Buch über die Herstellung und Bedeutung von Wayangfiguren verfasst, dass aber leider schon ausverkauft und wohl nicht mehr neu aufgelegt wird.

Seine Werkstatt besaß früher ca. 40 Mitarbeiter und war regelmäßiger Anlaufpunkt von Touristen, allerdings ging die Zahl der Touristen nach den Bombenanschlägen in Indonesien stark zurück. Heute arbeiten nur noch drei Beschäftigte in seinem Betrieb.

Leider artete unser Aufenthalt in Yogyakarta auch ein wenig in Stress aus, da wir in kurzer Zeit möglichst viele Hersteller treffen wollten.

Nach drei Tagen Aufenthalt brachen wir am Abend zu unserem Flug Richtung Balikpapan auf. Balikpapan ist eine Zentrum der Palmölherstellung. Im Ort sind zahlreiche internationale Firmen vertreten.

Wir schrieben einige Tage vor unserem Abflug an eine Bekannte, die einen Gästebucheintrag auf unserer Seite hinterlassen hatte und wurden freundlicherweise spontan eingeladen, um bei ihr zu übernachten.

Da Balikpapan durch die ansässigen internationalen Firmen nicht grad sehr billig und für Indonesien sogar außerordentlich teuer ist waren wir mehr als dankbar für das Angebot.

Unsere Gastgeberin Hilde ist Indonesierin (wovon wir aufgrund des Namens recht überrascht waren) und stammt aus Nord-Sumatra, allerdings ist sie in Köln (Höhenberg-Vingst) aufgewachsen, da Ihre Eltern an einem Austausch von Pfarrern teilgenommen hatte. Sie vermisst Deutschland sehr.

Ihre Sehnsucht veranlasste sie allerdings auch zur Tatkraft. In Balikpapan ist sie der Anlaufpunkt für an Deutschland und der deutschen Sprache interessierte Schüler und erteilt Privatunterricht und vermittelt zudem erfolgreich Au-Pairs nach Deutschland.

Auch war sie bereits nach Ihrer Abreise aus Deutschland bereits wieder für kurze Zeit in Deutschland und hielt dort an Schulen Vorträge über Frauen in Indonesien.

Palmölplantage

Nachdem wir uns nach unserer Ankunft ein wenig ausgeschlafen hatten besuchten wir eine Palmölplantage, die auf der nahe gelegenen Halbinsel Penajam liegt. Dosmin, der Mann von Hilde ist auf einer der vielen Plantagen als Manager tätig.

Einige mögen sich nun vielleicht über die Tätigkeit aufregen, allerdings ist anzumerken, dass der Urwald um Balikpapan bereits in den 70er-Jahren grossflächig abgeholzt wurde.

Das was vom Regenwald übrig blieb

Damals erhielten die Suharto-Familie und Ihre Getreuen großzügige Lizenzen zum Holzseinschlag (und zum Gelddrucken), die sie rücksichtslos ausnutzen. Die früheren Urwaldgebiete werden heute als Palmölplantagen genutzt.

Unser Ausflug begann mit einer Bootsfahrt zu dem auf Penajam gelgenen und neu erschlossenen Anbaugebiet. Später gings per Jeep weiter, um über schlammverschmierte Straßen schließlich zur Plantage zu gelangen und diese kreuz und quer zu durchfahren.

Wir konnten den Anbau von der Pflanzung bis zu Ernte der bis zu 20 kg schweren Früchte betrachten und ebenso die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten.

Investoren suchen ständig händeringend nach Arbeitskräften für diese sicherlich sehr schwere Arbeit, die allerdings auch gut bezahlt wird, inkl. kostenlose medizinische Versorgung, daher ist es Verständlich, daß meist ganze Familien das karge Leben auf der Plantage auf sich nehmen, um in kurzer Zeit für indonesische Verhältnisse relativ vermögend zu werden.

Wir, Hilde und Dosmin

Wie die Familie von Hilde träumen sicherlich viele davon eines Tages selbst ein paar Hektar Anbaufläche zu besitzen und so unabhängig zu werden. Die Gewinnspannen in diesem Geschäft sind enorm, allerdings ist ebenso das Risiko groß, daß man, wenn man das Geschäft nicht versteht und niemanden vor Ort hat de Vertrauenswürdig ist, tüchtig über den Tisch gezogen wird.

Bei Hilde wohnen neben ihrem Mann (der die Woche allerdings auf der Plantage verbringt), Ihre Kinder und eine Deutschschülerin. Ich und Vania hoffen, dass unsere Anwesenheit und einfache Gespräche ihr ein wenig helfen, um ihr Deutsch anzuwenden. Allerdings lernt sie erst seit einem Monat deutsch aber trotzdem versteht sie schon einiges.

Im Moment sitze ich auf der Terrasse des Hauses und schaue auf das nächtliche Balikpapan. Morgen besuchen wir eine Krokodilfarm. Dort wird sich dann zeigen ob ich mich traue Saté buaya (= Krokodilspiesschen) zu probieren.

Außerdem werden wir mit den Schülern von Hilde, die schon ganz aus dem Häuschen über Besucher aus Deutschland sind, etwas europäisches (und zwar Pizza Bolognese) kochen.

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{ 2 comments… lesen oder selbst Kommentieren }

Mama + Papa 15. März 2008 um 20:57

Hallo,
wir haben soeben Euro Berichte gelesen. Ich wusste nicht, dass Du Talent zu einem Schriftsteller hast.
Wenn einer eine Reise tut - dann kann er viel erzählen. Es ist schon toll, was Ihre erlebt.
Vania, wir vermissen Dich. Mit wem soll ich jetzt am Samstag meinen Grappa trinken? Geht der Schlamm-Vulkan jetzt schon bis zur Straße Malang-Surabaia (die neue Strecke)
Macht weiter mir Euren informativen Berichten.
Beste Grüsse
Mama + Papa

Borneo Reisender 25. März 2011 um 07:25

Sehr interessant! Ich hab auf Borneo schon viele Orte bereist aber Yogyakarta & Balikpapan waren noch nicht darunter. Da muss ich unbedingt hin.

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